Mein Kind hat Krebs, was nun?

Tagebuch-Auszug einer Mutter:

Mittwoch 13. November: Eine Ärztin und eine Krankenschwester betreten das Krankenzimmer, in dem unser Sohn liegt. Am Morgen wurde Knochenmark entnommen. Sie fragen mich, ob ich mit ihnen käme, das Resultat läge jetzt vor. Mein Herz wird schwer und meine Gedanken rasen. Bis jetzt wurde alles mit unserem Jungen besprochen. Jetzt nicht! Etwas ist nicht in Ordnung!

Plötzlich bemerke ich einen intensiven Klinikgeruch, meine Sinne sind klar wie seit Tagen nicht mehr. Wir gehen in einen kleinen Raum. Es ist das Schul- und Fernsehzimmer im Krankenhaus. Noch heute könnte ich diesen Raum zeichnen, deutlich sehe ich ihn vor mir. Ein dunkler, kleiner Raum, in der Mitte ein Tisch mit vier Stühlen. An den Wänden Büchergestelle und auch ein Fernsehapparat. Ich sitze oben am Tisch, mit dem Rücken zum Fenster. Links von mir sitzt die Ärztin, rechts die Schwester. Sie beobachten mich und ich weiss was kommen wird. Es schreit in mir: "Nein, nein es ist nicht möglich, nicht unser Kind! Bitte nicht!!!"

Ich möchte die Zeit anhalten, möchte davonrennen, mir die Ohren zuhalten, schreien! In Wirklichkeit sitze ich ruhig und gefasst da und höre, was sie mir zu sagen haben.

“Ihr Sohn hat eine ALL,
eine Akute Lymphatische Leukämie.”

Da ich in einem Pflegeberuf tätig war, habe ich einige Vorkenntnisse, welche mir nun zu gute kommen. Ruhig höre ich mir ihre Erläuterungen an, habe aber wahnsinnige Mühe, ihnen zu folgen. Ich konzentriere mich, meine Gedanken aber wollen mir nicht gehorchen. Spätestens nachdem sie mir den Therapieplan erklären, gebe ich auf. Ich kann nichts mehr aufnehmen.

Die Ärztin verlässt das Zimmer, um einige Unterlagen zu holen. Ich muss wohl was gefragt haben. Das erste Mal kommen die Tränen - nur zaghaft und unter Kontrolle. Die Schwester versucht mich zu trösten, unbeholfen, aber von Herzen. Wir sind uns fremd.

Ich gehe zurück in das Krankenzimmer. Mein Sohn möchte sofort wissen, was los ist und ich erkläre ihm mit einfachen Worten die Situation. Im Knochenmark wird das Blut hergestellt und diese Fabrik ist kaputt gemacht worden durch falsche Zellen. Diese Zellen müssen wir nun bekämpfen und vernichten. In diesem Gespräch brauche ich kein Wort wie Leukämie oder Krebs. Es wäre zuviel aufs Mal, und er möchte diese Worte auch noch nicht hören.

Mein Kopf ist leer, kann nichts mehr behalten. Einen Schritt nach dem anderen nehmen! Mein Mann kommt, und wieder gehe ich in diesen Raum. Diesmal mit ihm. Von neuem nehme ich diesen Raum intensiv war. Es ist mittlerweile dunkel draussen. Wir machen kein Licht. Unser Sohn hat Leukämie. Nein!!! Wir halten uns und versuchen klar zu denken. Wir sind uns einig, eins nach dem anderen zu nehmen. Zunächst das Gespräch mit der Ärztin.

Wir gehen dazu in ein Behandlungszimmer. Noch einmal erklärt sie die Therapie. Ihre Worte entfallen mir gleich wieder, als bestünde mein Hirn aus einem Sieb. Ich will sie krampfhaft halten, ordnen, einprägen!! Vergebens. Ich gebe auf, will mir nur noch jeden Tag merken. So viele LP's und Untersuche, 2 Jahre die ganze Therapie. Zunächst 8 Monate intensiv, aber auch viel ambulant, wenn möglich. 8 Monate, 2 Jahre, eine Ewigkeit. Wie soll das gehen? Und trotzdem, wir werden es schaffen!! Für uns, für unsere Kinder!

Am nächsten Tag soll die Chemotherapie schon beginnen. Mein Mann geht nach Hause. Ich habe Angst, auch um ihn. Dennoch muss ich ihn loslassen. Ein schwerer Gang zu seinen Eltern steht ihm bevor. Weitere erste vorsichtige Gespräche mit unseren Kindern werden folgen. Es ist meine erste Nacht auf einer Liege neben unserem Buben, noch so viele werden folgen. Er ist müde, trotzdem versuche ich, ihm Stück für Stück zu erzählen, was nun nach und nach passieren wird. Aber auch für ihn gilt:

“Tag für Tag -
nicht zuviel aufs Mal.”

Lange liege ich wach und habe das Gefühl, dass alles nur ein Traum ist, bald erwachen werde und es vorbei ist. Doch es ist kein Traum, und schon bevor mein Sohn erwacht, bin ich wieder hellwach und wünschte mir nichts mehr, als dass er die Prüfung heute schreiben könnte, welche wir gestern noch geübt haben für die Schule.

Liebe Eltern,

Sie lesen diese Worte, und vielleicht sind auch sie in der schweren Situation, dass bei Ihrem Kind die Diagnose Krebs gestellt wurde. Man kann die Gefühle, die Angst und die Ohnmacht in einem solchen Augenblick fast nicht in Worte fassen, zu tief sind sie, zu schmerzhaft. Was sie auslösen, ist aber bei den meisten Eltern gleich: Angst um das Leben Ihres Kindes, Angst vor medizinischen Massnahmen, Angst vor Umstellungen der Lebensgewohnheiten, Angst vor der zukünftigen Entwicklung der Krankheit, die trotz aller Bemühungen weiter fortschreiten könnte.

Der Weg, auf den wir uns machen müssen, ist lang und steinig. Er verlangt von uns viel Kraft, Mut und Geduld. Es ist Balsam für das Herz und die Seele, mit Menschen im gleichen Boot zu sitzen, sich getragen zu fühlen im Wissen, dass die anderen verstehen, gehe es um Ängste und Probleme im Zusammenhang mit dem erkrankten Kind, dem Partner, den Geschwistern, Geldsorgen und vieles mehr.

Hier möchte die Kinderkrebshilfe Zentralschweiz einsetzen.

Die Kinderkrebshilfe Zentralschweiz ist für uns als betroffene Familien eine Organisation, die uns hilft, das schwere Schicksal, welches wir mit anderen Familien teilen, zu tragen. Sie bringt Licht in unseren Alltag und bietet Hilfe an, wo man selbst manchmal nicht mehr fähig ist, um Hilfe zu bitten. Sie zeigt auch auf, dass das Leben weitergeht, und zwar mit all seinen Farben. Eine Gemeinschaft, die in einer tiefen Beziehung zueinander steht, aber dennoch eine Distanz zulässt, wo sie nötig ist. Eine Gemeinschaft, in der man trotz manchmal widrigen Umständen das Lachen nicht verlernt oder wieder lernen kann.

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns unter:

Kinderkrebshilfe Zentralschweiz
Chantal Beeler, Präsidentin
Schulstrasse 12B
6418 Rothenthurm

Tel. 041 811 77 50
info@kinderkrebshilfe-zentralschweiz.ch